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Herbst

Allerheiligen und Allerseelen in Europa

In Deutschland wird am 1. und 2. November der Heiligen und der Verstorbenen gedacht. Wir legen Blumen und Gestecke auf den Gräbern ab, und in vielen Bundesländern ist Allerheiligen ein Feiertag. Wie ist das eigentlich im Rest von Europa?

Wann ist wo Allerheiligen?

Allerheiligen In Europa

Wie in Deutschland am 1. November feiern auch die Länder Andorra, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Monaco, Österreich, Polen, Portugal, San Marino, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Ungarn und Vatikanstadt – somit liegt also in 22 von 37 europäischen Ländern Allerheiligen als Feiertag am gleichen Tag.

Zwei Länder machen eine Ausnahme: In Finnland und Schweden ist Allerheiligen ein variabler Feiertag, der auf den Samstag zwischen dem 31. Oktober und dem 6. November fällt.

Wie werden die Gedenktage gefeiert?

Da Allerheiligen und Allerseelen katholische Feiertage sind, ist ihre Bedeutung unabhängig von Staatsgrenzen: Während Allerheiligen den Heiligen gewidmet ist, soll Allerseelen die Lebenden an die Verstorbenen erinnern.

Dass viele Menschen bereits am Allerheiligen-Tag ihre Blumengrüße auf den Gräbern ablegen und Gebete für die Verstorbenen sprechen, hat ganz praktische Gründe: Schließlich ist Allerheiligen vielerorts ein gesetzlicher Feiertag, während einen Tag später, an Allerseelen, ein Werktag ist.

Striezel Hefezopf
Allerheiligen-Striezel. Lecker?

Auch aus kirchlicher Sicht sind beide Tage eng miteinander verbunden, und so werden die beiden Gedenktage oft in einem Atemzug genannt und auch begangen. Es ist üblich, die Gräber der verstorbenen Verwandten zu besuchen, Blumen und Kerzen zu bringen und für sie zu beten. Beliebt ist auch der Brauch, die Gräber segnen zu lassen oder Gedenkfeiern abzuhalten. Danach gibt es Allerheiligen-Gebäck, z. B. Striezel oder Hefezopf mit Zuckerstreuseln.

Andere Länder, andere Sitten

Wenn die Grenzen verschwimmen: Slowakei

In der Slowakei ist Allerheiligen fast noch beliebter als Weihnachten und Ostern. Der Brauch wird ganz ähnlich begangen wie bei uns, nämlich mit Blumen und Kerzen. Aber der Gedanke, der dem Brauch zugrunde liegt, ist etwas anders: Ein alter Glaube besagte nämlich, dass in den Tagen um Allerheiligen die Grenze zwischen Leben und Tod verschwimmt, so dass liebe Verstorbene für eine kurze Weile in die Welt der Lebenden zurückkehren können. Deshalb zieht es an diesem Tag die Lebenden zu den Toten, und deshalb ist im ganzen Land jeder auf den Beinen. Man trifft sich mit der (lebenden) Familie und zündet am Friedhof Kerzen für die Verstorbenen an. Als Zeichen der Verbundenheit.

Geschmueckte Graeber An Allerheiligen

Lichtermeer: Polen

Grabkerzen symbolisieren die Gegenwart Gottes, und deshalb sind polnische Friedhöfe an Allerheiligen und Allerseelen mit Millionen von Kerzen übersät. Ein ebenso romantisch-melancholischer wie ergreifender Anblick. Auch junge Menschen führen den Brauch fort. Mit einem Rucksack voller Grabkerzen wandert man gemeinsam von Grab zu Grab, betet und zündet für jeden eine Kerze an. So entsteht Stück für Stück das beeindruckende Lichtermeer.

Allerheiligen Kerzen In Polen

Fröhliches Festmahl: Spanien

In den südlichen Ländern versteht man es zu feiern. So ist Allerheiligen z. B. in Spanien nicht nur ein trauriges Fest, sondern auch – je nach Region – ein bunter Festschmaus. Im Norden röstet und isst man gemeinsam frische Kastanien. In Murcia im Südosten gibt es Feigenbrot und getrocknete Früchte auf dem Straßenmarkt am „Día de Todos los Santos“ (zu Deutsch: Tag aller Heiligen). Und im Gegensatz zu Deutschland, wo Allerheiligen ein „stiller Feiertag“ ist, an dem Musik und Tanz verboten sind, wird in Spanien getanzt, um nach all dem Totengedenken nun wieder das Leben zu feiern.

Tanzen In Spanien